Grüne Woche 2014

Mit kritischen Anmerkungen zur beliebten Verbrauchermesse

Auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin 2014 Auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin 2014

(be) Das Jahr 2014 ist noch recht jung und schon läuft auf dem Messegelände rund um den Berliner Funkturm mit der Internationalen Grünen Woche das neue Messejahr an. Vom 17. bis 26. Januar dreht sich auf der beim Publikum so beliebten Messe alles um Ernährung, Nutz- und Heimtiere sowie Kleingärten. In diesem Jahr blickt die Grüne Woche übrigens auf eine 88-jährige Tradition zurück.

Mehr als eine Woche lang kann man sich auf dem Messerundgang durch das kulinarische Angebot der Welt futtern und sich über Ernährung und Produktneuheiten informieren. Dazu gehört natürlich auch die Verkostung. Scheinbar ohne zu murren bezahlen viele Besucher kleine Kostproben mit ein bis zwei Euro. Die Pro-Kopf-Ausgaben der Messebesucher lagen im Jahr 2013 bei 113 Euro. Der Eintritt zur Werbeveranstaltung kostet immerhin ebenfalls stolze 13 Euro. Alkohol wird in manchen Hallen in großen Mengen konsumiert, teilweise hat die Stimmung auf der Grünen Woche Volksfestcharakter.

Partnerland Estland

Mit dem Slogan „NATURlich Estland“ macht das diesjährige Partnerland Estland auf die Bedeutung seiner sauberen Natur für die Landwirtschaft und den Tourismus aufmerksam. Mit der kürzlich vorgestellten Grafik „NATURlich Estland – Partnerland„ wird zudem auch optisch darauf hingewiesen, wie sehr intakte Ökosysteme und gesunde Ernährung zusammenhängen. Estland beteiligt sich bereits seit 1994 ununterbrochen an der Internationalen Grünen Woche. (Halle 8.2)

Das Land hat einen reichen Wildbestand. Es gibt mehr als 10.000 Elche, 600 Bären und mehr als 20.000 Wildschweine dort. Grund genug, auch auf der Grünen Woche Bären- und Elchfleisch als Spezialitäten anzubieten. Moment, Braunbären? Stehen die nicht auf der Liste des Washingtoner Artenschutzabkommens? Es gäbe zu viele Bären verlautet es und deshalb gäbe es von der Regierung genehmigte Abschussquoten, die von speziellen Jägern umgesetzt werden. Bärenfleisch auf der Grünen Woche, das war auch der BILD-Zeitung den Kommentar „Muss das sein?“ wert. Übrigens haben wir im Internet eine Website gefunden, auf der für die Bärenjagd in Estland geworben wird. Zahlungskräftige Kunden haben dort dann ein „einmaliges Erlebnis“.

Außerdem versucht Estland mit hochwertigen Milchprodukten zu punkten. Außerdem werden Biofutter und Biogetreide angeboten. Der Baltische Hering spielt neben Schollen im Fischsektor eine Rolle. Rund einhunderttausend deutsche Touristen pro Jahr entdecken das baltische Land, das seit Januar 2011 zur Europäischen Währungsunion gehört. Weitere Infos

Eine der beliebtesten Hallen ist die Blumenhalle. Mitten im Januar können die Besucher der Grünen Woche ca. 30.000 blühende Pflanzen und 30 Palmen aus dem spanischen Alicante bewundern. Das Motto der wirklich gelungenen farbenprächtigen Blumenhalle lautet in diesem Jahr „Internationales Parlament der Blumen“. Tolle Fotomotive, inklusive einer Wasserfontäne, gibt es gratis inklusive. Am Rande der Blumenschau stellen sich übrigens Kleingartenverbände vor und ein gartenfachliches Begleitprogramm wird geboten. Berlin entwickelt sich immer mehr zur europäischen Hauptstadt des Urban Gardening. Mit dabei sind auch die knapp 200.000 Kleingärtner, die dank ihres privaten Engagements auf den 70.000 Kleingartenparzellen für ein besseres Stadtklima sorgen. Erfreulich ist der hohe Zulauf an jungen Familien mit Kindern in die über 800 Kleingartenanlagen der Stadt. Im Zentrum der Messepräsentation steht in diesem jahr der Gartenteich als Lebensraum. (Halle 9)

Proteste gegen die Grüne Woche

Proteste von Tierschützern schon bei der Eröffnung der Leistungsmesse, vor den Eingängen zu den Hallen, auf dem Bürgersteig und auf dem Funkturm. Tierschützer enterten das Berliner Wahrzeichen, um ein riesiges Plakat mit der Aufschrift „Bloß nicht hinsehen“ zu enthüllen. Die meisten der Grüne-Woche-Besucher dürften davon nichts mitbekommen haben, zu groß war das Gedränge und Geschiebe in den Hallen. Vorbei an bunten Versprechen und Lobeshymnen auf Ertragssteigerungen, niedlichen Jungtieren zum Streicheln und gleich daneben rotiert der Grill mit brutzelndem Fleisch. Erschreckend ist auf dieser Messe der total unkritische Umgang mit dem dargebotenen.

Angeführt von hunderten Bäuerinnen und Bauern und 70 Traktoren zogen am Sonnabend, den 18.1. über 30.000 Menschen vor das Kanzleramt in Berlin. Die DemonstrantInnen forderten von Bundeskanzlerin Merkel und Vizekanzler Gabriel einen Kurswechsel in der Agrarpolitik. Statt weiterhin Klientelpolitik für die Agrarindustrie zu betreiben, solle sich die Bundesregierung für eine soziale, tiergerechte und ökologische Agrarwende einsetzen.

Beliebte Tierhallen

Beliebt bei Jung und Alt ist natürlich immer wieder die Tierhalle. (Halle 25) Vor allem die Jungtiere haben es den Familien mit Kindern angetan. Zahlreiche Tiervorführungen werden während der Messe geboten.

Das Verbraucherinteresse an Bioprodukten ist anhaltend groß, Gründe für den Griff zu Bio-Lebensmitteln gibt es genug: Artgerechte Tierhaltung, gentechnikfreie Äcker und hochwertige, gesunde Produkte sind für die Kunden wichtige Argumente. Insbesondere immer mehr junge Menschen achten bei ihrem Einkauf gezielt auf Bio-Lebensmittel. Laut den Ergebnissen der Studie „Ökobarometer 2013″ wuchs der Anteil der unter 30-Jährigen, bei denen häufig Bio-Lebensmittel im Einkaufskorb landen, im Vergleich zum Vorjahr, um neun Prozentpunkte. 92 Prozent aller befragten Bio-Kunden setzen auf Produkte aus der Region.

Imagekampagne des BVE

Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) geht gerade mit einer Kampagne an die Öffentlichkeit um die moderne industrielle Lebensmittelproduktion zu verteidigen. Man fühle sich als Lebensmittelerzeuger von „tendenziöser Berichterstattung“ in den Medien diffamiert und keinesfalls genug gewürdigt. Man wolle offener und transparenter die Herstellung von Produkten kommunizieren. Im krassen Gegensatz dazu stehen die Informationen, die man beispielsweise bei Foodwatch zum Thema Verbrauchertäuschung recherchieren kann. Es wird getrickst und geschummelt was das Zeug hält. Da gibt es das berühmte Erdbeerjoghurt, das keine Frucht enthält und zahlreiche andere Produkte bei denen Werbung und Realität weit auseinanderklaffen. Laut einer Studie zweifelt jeder zweite Verbraucher an der Herstellerangaben. Mogelpackungen werden den Kunden untergejubelt, verschleierte Preiserhöhungen sind an der Tagesordnung, indem die Verpackungsinhalte heimlich reduziert werden. In Käsepackungen sind beispielsweise dünner geschnittene Scheiben usw., die Beispiele lassen sich endlos fortsetzen. Zum Glück gibt es unter anderem Infoseiten wie die der Verbraucherzentrale Hamburg, wo man sich einen Eindruck der verbreiteten Praktiken in der Lebensmittelproduktion verschaffen kann.

Biohalle mit neuer Gestaltung

In der neu gestalteten BioHalle 1.2 präsentieren die Anbau-Verbände Bioland, Biokreis, Demeter, Naturland und andere ihre Leistungen und Produkte. Es kann nach Herzenslust probiert werden.

In sieben aufeinanderfolgenden Hallen präsentieren sich die deutschen Bundesländer mit über 500 Ausstellern. Einige Bundesländer haben dabei für dieses Jahr neugestaltete Ausstellungsstände angekündigt. Die Messe wird von den Bundesländern als wichtiger Testmarkt für neue Produkte und Konzepte genutzt. Die Besucher der Messe gaben in den letzten jahren durchschnittlich 45 Millionen Euro für den Verzehr und auch für den Kauf oder die Bestellung von Waren aus. Darüber hinaus ist die Grüne Woche durch ihr hohes Fachbesucherpotential ganz wichtig für die Aussteller.

ÖFFNUNGSZEITEN:
17. – 26. Januar 2014 – 10 – 18 Uhr

Verlängerte Öffnungszeiten an folgenden Tagen:
Freitag, 24. Januar 10 – 20 Uhr und Samstag, 25. Januar 10 – 20 Uhr

PREISE:
Tageskarte EUR 13,00
Gruppenkarte (ab 20 Personen) EUR 11,00
Tageskarte ermäßigt Schüler/Studenten EUR 9,00
Schulklassen (mit Schulnachweis) EUR 4,00
Familienkarte (max. 2 Erwachsene + max. 3 Kinder bis 14 Jahre) EUR 26,00
Happy Hour Karte gültig ab 14 Uhr EUR 9,00
Sonntags-Ticket EUR 10,00 – Dauerkarte EUR 42,00

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