Mit Krebs um die Welt

Vom Pflegefall zum Globetrotter

Sven Marx aus Berlin Sven Marx aus Berlin - Foto: privat

Eigentlich hatten die Ärzte den Berliner Sven Marx aufgegeben. Seiner Frau sagte man, dass er für den Rest seines Lebens ein Pflegefall bleiben würde. Zu schlimm waren die Auswirkungen eines seltenen Tumors am Hirnstamm. Die Hälfte des Tumors konnte man wegoperieren, es kam aber zu schweren Komplikationen und Marx musste mehrfach wiederbelebt werden. Dann gab es Einblutungen, die Folge war eine halbseitige Lähmung, Marx konnte nicht mehr alleine atmen. Nach drei Monaten Intensivstation hatte man ihn eigentlich abgeschrieben. Trotzdem folgte eine Reha-Behandlung, in der sich Sven Marx ins Leben zurückkämpfte. Nach ersten Schritten am Rollator trainierte er seine Muskeln, wo er nur konnte. Er wollte möglichst bald Schwimmen und Radfahren können. „Mich für diesen schweren Kampf zu motivieren, war überhaupt nicht schwer, denn ich wollte einfach nur leben“. In einem langen Trainingsprozess konnte er seine Fähigkeiten nach und nach soweit trainieren, dass immer längere Touren möglich wurden. Reisen nach Usedom oder Kopenhagen oder Paris hat er schon hinter sich, zusammen mehrere tausend Kilometer durch Länder Europas. Als weitere Erkrankung wurde bei Sven Marx auch noch Schwarzer Hautkrebs diagnostiziert. „Die Ärzte geben mir dafür aber eine ganz gute Prognose“.

 

Heute macht Sven Marx zumindest äußerlich einen fitten Eindruck, geblieben sind jedoch starke Einschränkungen in seinem Sichtfeld und der Verlust des räumlichen Sehens. „Laufen ist einfach grausam, wenn man alles doppelt oder vierfach sieht. Das Gleichgewicht lässt sich in meinem Fall auf einem Rad tatsächlich besser halten“. Und deshalb konzentriert sich der ehemalige Dachdecker und Motoradfahrer Sven Marx in seinem neuen Leben auch ganz auf das Radfahren. Mittlerweile fährt Sven Marx ca. 15.000 Kilometer im Jahr. Ab April 2017 soll dann eine Weltreise mit dem Bike folgen. Und, das ist besonders bemerkenswert, er will diese Tour alleine unternehmen. Das sich seine Frau bei seinen Plänen nicht so gut fühlt, weiß er, ist ihr jedoch sehr dankbar für ihr Verständnis für seine Pläne. „Wir können ja heute mit Telefon und Internet von jedem Punkt aus Kontakt halten und das  ist natürlich wichtig für sie“.

„Ich fahre große Teile der Strecken mit dem Fahrrad schon mal ab und bin so bei meinem Start 2017 eigentlich zweimal um die Welt gefahren (auf verschiedenen Strecken natürlich). Zum Beispiel von Helsinki nach Mera in Rumänien, oder am 07.04.2014 auf der Route 66 von Los Angeles nach Chicago. Im Herbst fahre ich von Rom über Athen, Istanbul und Odessa nach Mera. Nächstes Jahr fahre ich durch Japan und von Jekatrinburg über Minsk und Kiew nach Mera. Für 2016 ist eine Tour von Berlin ans Nordkap und eine Tour von El Quseir (Ägypten) nach Mera geplant.“

Als nächste Erkundung fährt Marx gemeinsam mit seiner Frau von Moskau aus mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Peking. „Die Reise mit der transsibirischen Eisenbahn mit meiner Frau führt entlang der M5, das ist eine Straße die von Moskau nach Wladiwostok führt. Dieser Straße werde ich 2017 folgen und darum ist es gut, dass wir jetzt schon mal mit der Bahn da lang fahren. Sie wird meine Ausweichmöglichkeit sein, falls ich krank werde oder mein Rad einen größeren Schaden hat.“

Seine Reisen wird Sven Marx in Fotos und Videos festhalten und sie während der Tour auf seiner Website und in seinem Blog posten. Außerdem sind Vorträge geplant, um anderen betroffenen Menschen mit Beeinträchtigungen oder Erkrankungen Mut zu machen und für das Radfahren zu werben. Mit den Erlösen aus seinen Vorträgen will Sven Marx die in Berlin ansässige Diakonische Initiative Direkt e.V. (DID e. V.)  unterstützen, die sich in Rumänien für Kinder und Erwachsene mit Beeinträchtigungen einsetzt.

 Links: Website von Sven Marx, Sven Marx bei FacebookDID e.V. ,

 

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