Der Spatz ist der Größte

Berlin weiter Hauptstadt der Spatzen

Der Spatz ist in Berlin der Größte Der Spatz ist in Berlin der Größte - Foto: photodune

Seit 10 Jahren beobachten und zählen deutschlandweit Naturinteressierte die Vogelwelt. Jetzt liegen nicht nur die Ergebnisse der Stunde der Gartenvögel 2014 vor, sondern die Zahlen erlauben auch einen längeren Rückblick auf Entwicklungen und Trends. Für Berlin steht auf jeden Fall fest, dass der „Dreckspatz“ über 10 Jahre das Rennen gemacht hat, während man sich um andere Arten Gedanken machen muss. Rund 40.000 Teilnehmer haben in diesem Jahr deutschlandweit an der Vogelzählung anlässlich der Stunde der Gartenvögel teilgenommen. Alleine in Berlin waren wieder wie im vergangenen Jahr etwa 1.200 Vogelfreunde unterwegs und haben die Gefiederten in über 840 Gärten, auf Exkursionen, bei Spaziergängen und im Park beobachtet. Auf den Plätzen 1 bis 5 hat sich verglichen mit dem Vorjahr nicht besonders viel getan: dem  Haussperling folgt die „ewige Zweite“, die Amsel, auf Platz drei und vier wechseln sich Kohlmeise und Star ab und auch 2014 konnte die Blaumeise ihren fünften Platz behaupten.

Des einen Freud – des anderen Leid

Der urbane Raum bietet immer mehr Arten ein Rückzugsgebiet, während ihre ursprünglichen Lebensräume in der offenen Landschaft durch die intensive Landwirtschaft verloren gehen. Der Feldsperling, eigentlich der ländliche Vetter des Berliner Spatzes, ist ein typischer Vertreter dieser Wanderbewegung hinein in Städte und Dörfer mit ihren Gärten und Parkanlagen.  Doch während für einige Arten die Stadt ein neuer Siedlungsraum ist, wird beispielsweise für Mehlschwalben und Mauersegler dieser Lebensraum zunehmend zu einem Problem. An vielen modernen oder sanierten Gebäuden fehlen die Nistmöglichkeiten und auch in Berlin können nur sinnvolle Planungen von Renovierungsarbeiten und Neubauten sowie der Einbau von Nisthilfen den Populationen helfen. „Egal ob Häuslebauer, Gebäudesanierer oder Wohnungsbaugenossenschaften: das Naturschutzrecht verpflichtet alle zu einem wachen Auge“, erläutert Anja Sorges, Geschäftsführerin beim NABU Landesverband Berlin. „Nistplätze oder –nischen dürfen nicht verschlossen werden. Vor der Sanierung benötigt man eine behördliche Genehmigung, wenn im Zuge der Arbeiten alte Nester entfernt oder Bruträume verschlossen werden müssen. Nach Abschluss der Arbeiten müssen Mauersegler, Haussperling, Mehlschwalbe und Co. Ersatzlebensräume angeboten werden.“ Wird dies vom Bauherren vergessen oder nicht beachtet, kann es teuer werden. „Besser man investiert an der richtigen Stelle, indem man sich vorher Rat holt“, so Sorges.

Insgesamt überwiegen bei den Gartenvögeln die positiven Entwicklungen in den letzten 10 Jahren: im Vergleich stehen bundesweit fünf abnehmenden Arten 22 zunehmende Arten gegenüber, sowie 23 Arten deren Populationsentwicklung als stabil bezeichnet werden kann. Vor Verallgemeinerungen wird jedoch gewarnt: Berlin hat durchaus noch grüne Rückzugsräume und federt dadurch auch noch den einen oder anderen schädlichen Einfluss etwas ab, aber dies ist keine ruhige Bank, auf der man sich ausruhen kann. „Strukturen an Gebäuden und in Grünanlagen müssen erhalten und verbessert werden“, mahnt der NABU Berlin, denn sonst sieht bei der nächsten Auswertung der Trend für viele Berliner Vogelarten wesentlich düsterer aus.

Quelle: NABU

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