Lexy Hell

Heiraten, ein Eigenheim und Kinder

Lexy Hell, Model aus Berlin Lexy Hell, Model aus Berlin

(be) Wir trafen Lexy Hell im Cafe Annas Blume im Bezirk Prenzlauer Berg. Sie saß vor einer großen Tasse Kakao, wirkte zart und von weitem eher unauffällig. Wir verstanden uns schnell mit der 23jährigen sympathischen jungen Frau aus Österreich, die seit kurzem Wahlberlinerin ist. Sie liebt Tattoos und hat sich entschlossen, fast ihren gesamten Körper tätowieren zu lassen. Welchen Vorurteilen sie dabei selbst in unserer als so tolerant geltenden Stadt begegnet und wovon sie träumt, hat Lexy Hell uns im Interview erzählt.

Lexy, woher kommst Du?
Ich komme aus Österreich, Leibnitz, das ist in der Nähe von Graz in der Steiermark. Seit April 2008 wohne ich in Berlin, im Bezirk Wedding, 50 Meter vom Prenzlauer Berg entfernt. Es ist sehr schön dort. Ich wohne in einer ruhigen Straße, das gefällt mir.

Vier Jahre lang habe ich in Österreich als Einzelhandelskauffrau gearbeitet. Dann wollte meine beste Freundin nach Berlin ziehen, weil ihr Freund einen Plattenvertrag bekam. Das ist gut, habe ich gedacht, mein Vater ist Deutscher, zieh ich mal nach Berlin. Ich fühlte mich in Österreich eingeschränkt, man konnte nicht viel machen. Innerhalb von einer Woche habe ich dann alles gekündigt. Auto verkauft, Wohnung und Job gekündigt und bin hergezogen. Im Endeffekt hat mich meine Freundin dann hängen gelassen und ich bin ganz alleine nach Berlin gekommen. Ich kannte erst einmal niemanden, es war ziemlich schwierig.

Ich fahre natürlich öfter nach Österreich zu Besuch, so drei bis vier mal im Jahr, um Familie und Freunde zu besuchen. Aber ich kann mir nicht mehr vorstellen, dort zu leben. Nach zwei Tagen vermisse ich die Großstadt. Wobei mir Berlin auch manchmal echt zu stressig ist. Manchmal ist es mir schon etwas zuviel.

Du bist eine auffällige Erscheinung, hübsches Gesicht, wunderschöne Tattoos. Wann hast Du den Entschluss gefasst, Dich so tätowieren zu lassen?
Das war mit sechzehn Jahren, ich hab mich früh für Tätowierungen interessiert. Ich habe mich selber angemalt und mich mit Kunst beschäftigt. Ich male sehr viel in Öl und Acryl. Mit sechzehn fälschte ich meinen Ausweis, weil meine Eltern total dagegen waren. Sie sind sehr konservativ. Ich fing mit sechzehn an zu arbeiten und verdiente mein eigenes Geld. Mein erstes Tattoo ließ zu dieser Zeit stechen. es war eine Sonne am Steißbein. In diesem Alter hatte ich eigentlich schon meinen ganzen Körper geplant. Ich wollte mich komplett tätowieren lassen.

Dann ging es Stück für Stück weiter. Die Entwürfe stammten von mir, vieles hat eine Bedeutung für mich und hatte mit der Vergangenheit zu tun. Viele Motive gefallen mir aber auch einfach nur so. Ich glaube nicht, dass ich die Tattoos irgendwann einmal bereuen werde.

Mit 19 Jahren war ich in Wien das erste Mal auf einer Tattoo-Convention gewesen und bin mit meinem tätowierten Rücken auf die Bühne gegangen. Gewonnen habe ich zwar nicht, doch es sprach mich ein Fotograf an. Wir haben Fotos gemacht und kurze Zeit später war ich auf dem Cover einer Tattoo-Zeitschrift. So hat es seinen Lauf genommen.

Jobs im Modelbusiness

Lexy Hell-by-tina-cassati

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Was antwortest Du all denen, die hinter Ganzkörpertattoos erst einmal einen Psychoknacks vermuten?
Das ist Blödsinn, absoluter Blödsinn. Den meisten Menschen ist es vielleicht nicht bewusst, was sie machen. Viele junge Mädels machen es, weil es modern ist und man damit Geld verdienen kann. Aber sie denken nicht darüber nach. Bei mir ist es halt anders. Es ist meine Leidenschaft, es ist mein Leben.

Haben Deine Eltern Tätowierungen?
Nein niemand. Ich bin da wirklich das einzige schwarze Schaf.
Ich finde es interessant, dass man sich verändern und von der Masse abheben kann.

Hast Du einen bestimmten Tätowierer, mit dem Du schon länger zusammenarbeitest?
Ich habe einen Stammtätowierer. In Berlin sind es zwei. Ich möchte mich wohlfühlen, es ist meine Haut. dazu gehört Vertrauen. Dort ziehe ich mich auch aus und da gehört für mich viel Vertrauen dazu. Die meisten Tätowierer sind mittlerweile gute Freunde geworden. Es gibt leider auch viele Pfuscher. Die Kontrolle ist in Österreich wesentlich strenger.

Modeln wolltest Du am Anfang eigentlich gar nicht?
Nein, angefangen hat es eben so, wie ich schon sagte. In Berlin habe ich mich dann bei einer speziellen Agentur beworben. Die schicken mir ab und zu Aufträge. Ich muss aber sagen, das MySpace, Facebook usw. die beste Werbung für mich sind. Darüber bekomme ich die meisten Aufträge. Für eine eigene Website fehlt mir im Augenblick die Zeit.

Ich habe schon für einige Modelabels und Magazine gearbeitet. Bei der Fashionweek bin ich auch mitgelaufen und in diversen Musikvideos bin ich auch schon zu sehen gewesen. Auf Tattoo-Conventions habe ich auch schon Moderationen geführt. In nahe Zukunft erwarten mich Aufträge in Paris und London.

Du hattest gestern ein tolles Shooting?
Ja, ich habe wieder Glück gehabt und es hat mich ein toller Fotograf angeschrieben. Steffen Diemer, er hat fast zehn Jahre für Yves Saint Laurent gearbeitet, ebenso für Karl Lagerfeld, Helmut Newton, Cavalli usw.. Er macht ein Tribute-Buch über YSL, das offizielle Buch. Dafür hatten wir gestern das Shooting. Mit der Kollektion von Susan, einer langjährigen Assistentin von YSL. Fotografiert wurde im Hotel Belle Etage, einer schloßähnlichen Location und total nobel. Alle, für das Buch fotografierten Promis oder Models, erhalten kein Honorar. Die Einnahmen aus dem Buch werden an eine gemeinnützige Stiftung von YSL gespendet. Ich finde, so ein Projekt muss man unterstützen.

Lexy Hell beim Tätowierer

Lexy Hell beim Tätowierer

Heiraten, ein Eigenheim und Kinder

Das hört sich alles gut an. Wie sieht es denn so mit der Toleranz der Mitmenschen aus, wenn Du in der Öffentlichkeit unterwegs bist?
Das ist nicht immer so einfach. Man denkt, Berlin ist ziemlich tolerant, ist nicht spießig, aber ich bin schon oft blöd angemacht und beschimpft worden. Ja, ich höre auch positives. Im Prinzip ist es mir egal, doch wenn ich mal einen schlechten Tag habe, dann ist es nicht so einfach, damit umzugehen.
Der Vorwurf „asozial“ zu sein, ärgert mich. Beim Einkaufen werde ich oft von der Security verfolgt und kontrolliert. Ich muss meine Taschen ausleeren und werde an den Kassen kontrolliert. Es ist total diskriminierend. Ich habe bisher immer mein eigenes Geld verdient und würde niemals zum Arbeitsamt gehen.

Du entsprichst halt nicht der „Norm“.
Ja, so ist es. Meine Eltern tolerieren es mittlerweile. Sie haben sich aber ihre Tochter anders vorgestellt. Meine Schwester ist nicht tätowiert, ist zur Uni gegangen, hat ihren Magister gemacht. Ich habe die Schule abgebrochen, es ist eben nicht so, wie sie es sich gewünscht hätten.

Zukunftspläne?
Ja, heiraten, Eigenheim und Kinder. Ich möchte auf jeden Fall einmal Kinder haben.

Das hört sich ja völlig „normal“ an? Eigentlich denkt man bei Dir, dass ist ja eine ganze Wilde.
Das höre ich andauernd. Ich würde aggressiv aussehen und wäre arrogant. Ich muss Euch sagen, ich rauche nicht, habe noch nie in meinem Leben Drogen genommen, aber das sind eben wieder die Vorurteile. Ich möchte eine Beziehung haben, heiraten, später ein Haus und Kinder.

Was gefällt Dir an Berlin besonders?
An Berlin mag ich wirklich, dass so viele Nationalitäten zusammenkommen und man viele Leute kennen lernt. Man hat viele Chancen etwas zu machen. Partymäßig gehe ich gerne auf Konzerte.

Lexy, herzlichen Dank für das Interview.

Wir danken der Fotografin Tina Cassati und dem Fotografen Stephan Zahn (Titelfoto) für die Erlaubnis zur Verwendung ihrer Bilder.

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