Sonderschau über Fliegen

Extrem nützlich oder einfach nur lästig?

Sonderschau Fliegen im Berliner Naturkundemuseum Sonderschau Fliegen im Berliner Naturkundemuseum

Meistens nerven sie uns einfach nur. Und dann folgt schnell der Griff zur Fliegenklatsche, um ihnen den Garaus zu machen. Das beste Image haben die Fliegen also nicht. Im ersten Teil der neuen Schau im Berliner Naturkundemuseum geht es um die emotionalen Aspekte rund um die Fliegen. Sollten wir die Plagegeister als Gesundheitspolizei lieben – oder doch lieber ausrotten? Eine Voliere mit tausenden von lebenden Tieren bildet den Eingang in eine Welt, die man vielleicht mit Facettenaugen sehen muss. Es kostet Überwindung, durch den summenden Korridor zu schreiten und danach einen Kadaver zu betrachten, der von Fliegenmaden zersetzt wird. Doch Fliegen sind auch schön, intelligent und faszinierend in ihrer Lebensweise – wer von uns kann schon kopfüber an der Decke laufen?

Fliegen haben jeden Landflecken dieses Planeten besiedelt, sogar die extremsten Milieus: die trockenste Wüste, die höchsten Berge, die salzhaltigsten Böden und sagenhaftesten Torfmoore. Und  Fliegen sind eben nicht nur Plagegeister und Krankheitsüberträger, sie sind auch nützlich oder hilfreich – so helfen Fliegenmaden bei der therapeutischen Behandlung chronischer Wunden. Sie sind eine top Gesundheitspolizei, wenn ihre Maden organisches Material zersetzen. Dieser Umgang mit verdächtigen und unappetitlichen Stoffen ist es, der die Fliegen selbst bei vielen Menschen verdächtig und unappetitlich erscheinen lässt. Doch dieses natürliche Putzkommando leistet ungeahnte Dienste für die Umwelt. Ansonsten würde den Berlinern der Hundekot mindestens bis zu den Knien reichen. Ein Kilo Pferdeäpfel kann übrigens bis zu 8 000 Maden der Hausfliege ernähren.

Fruchtfliegen dienten Generationen von Genetikern als Studienobjekt und lieferten viele wichtige Erkenntnisse und Errungenschaften in der Genforschung. Stubenfliegen spielen in der Bionik eine wichtige Rolle, vor allem im Bereich der Roboterentwicklung. Wie kann ein Insekt mit einer minimalen Hirnmasse die unzähligen optischen Signale verarbeiten, die seine über eintausend Einzelaugen produzieren? Und wie kann es komplizierte Flugmanöver ausführen? Faszinierend – und auf den zweiten Blick sehen sie auch noch schön aus. Damit beginnt der zweite Teil der Ausstellung, der sich eher mit Fakten, Wissenschaft und Kuriosem beschäftigt: Warum können Fliegen an der Decke laufen?

Fliege ist nicht gleich Fliege. Es gibt tausende von Arten und genau genommen beschäftigt sich die Ausstellung „Fliegen“ nicht nur mit Fliegen, sondern auch mit Mücken. Das Museum für Naturkunde ist im Besitz einer riesigen Sammlung von Zweiflüglern – Dipteren – zu denen neben den Fliegen auch die Mücken gehören. In der Ausstellung gibt es die Möglichkeit, sich einen digitalen Überblick über die Vielfalt zu verschaffen. Aber auch real und mit Hilfe von Binokularen kann eine Auswahl von Dipteren studiert werden. Mit Ausnahme der wenigen stechenden Arten, die sich von Blut ernähren, und der räuberischen Arten, die andere Insekten einfangen, zeigen die erwachsenen Zweiflügler eine Vorliebe für Blumen, sehr reife Früchte, Nahrungsmittel und verschiedene Stoffe im Stadium der Verwesung wie faulende Pflanzen oder Kadaver.

Nachdem Fliegen und Mücken in allen möglichen Facetten in der Ausstellung beleuchtet wurden, wird ihnen am Ende der Schau der Prozess gemacht. Auf Leben und Tod. Gerichtet von den Besuchern. Urteilen Sie selbst! Sie haben bis dahin bestimmt neue Erkenntnisse gewonnen.

Eine Sonderausstellung des Museéum d’Histoire Naturelle de Neuchâtel und des Museums für Naturkunde Berlin vom 16.08.2014 bis zum 15.01.2015 im Museum für Naturkunde Berlin

16.08.2014 bis zum 15.01.2015

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