Otto Piene in der Neuen Nationalgalerie

Otto Piene in der Neuen Nationalgalerie in Berlin Otto Piene in der Neuen Nationalgalerie in Berlin

Nach den großen Eröffnungen zu „Otto Piene. More Sky“ in der Nationalgalerie und mitten in den abschließenden Vorbereitungen für das Sky Art Event ist Otto Piene am 17. Juli 2014 im Alter von 86 Jahren unerwartet in Berlin verstorben. Auf Wunsch der Familie des Künstlers fand das für Samstag, den 19. Juli 2014 geplante Sky Art Event über dem Dach der Neuen Nationalgalerie trotzdem statt. Zirka 5000 Kunstfreunde fanden sich an diesem warmen Berliner Sommerabend rund um die Nationalgalerie ein, um zu erleben, wie drei große Luftskulpturen in den Abendhimmel aufsteigen. Leider machte ein zwar angenehmer, aber für die Skulpturen zu starker Wind, der Aktion einen Strich durch die Rechnung. Sie konnten deshalb nur in geringer Höhe über der Nationalgalerie schweben.

Otto Pienes Luftskulptuiren über der Nationalgalerie

Otto Pienes Luftskulptuiren über der Nationalgalerie

Noch Stunden vor seinem Tod war Otto Piene selbst erstmals auf dem Dach der großen Architekturikone, um im strahlenden Sonnenlicht und in voller Vorfreude den Schauplatz der Aktion zu begutachten. Nach einer Teambesprechung, die er leitete und an der viele langjährige Weggefährten und Familienmitglieder beteiligt waren, verstarb Otto Piene am Donnerstag unerwartet in einem Berliner Taxi auf dem Weg zum Hotel. Er erlebte seinen Traum, drei weiße Skulpturen über der von ihm verehrten Architektur von Mies van der Rohe schweben zu lassen leider nicht mehr selbst. Gerade auch deswegen war es für alle Zuschauer ein besonderes bewegendes Erlebnis mit dem Gefühl, dass Otto Piene jetzt selbst ein Stern am Himmel ist.

Otto Piene befand sich seit Tagen in Berlin, wo ihm die Nationalgalerie und die Deutsche Bank KunstHalle noch bis Ende August mit drei gemeinsam veranstalteten Projekten eine große Hommage ausrichten. Bereits am Mittwoch, den 16. Juli, wurde Otto Piene bei den Eröffnungen zur Ausstellung zum Frühwerk (Deutsche Bank KunstHalle) und anschließend bei den Groß-Projektionen von „The Proliferation of the Sun“ (Neue Nationalgalerie) begeistert empfangen und von Tausenden Gästen als Visionär und Erneuerer der Kunst gefeiert.

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„The Proliferation of the Sun“ Projektion in der Neuen Nationalgalerie

Otto Piene Porträt - Foto: Peter Müller / Bild-Zeitung

Otto Piene Porträt – Foto: Peter Müller / Bild-Zeitung

Der deutsche Künstler Otto Piene (* 1928 in Laasphe/Westfalen) zählt zu den großen Pionieren und Erneuerern in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Noch ausgebildet als Maler hat er sich von den klassischen Kunstformen bereits Mitte der 1950er Jahren abgewandt und stattdessen den Raum für die Kunst geöffnet. Im Rahmen der internationalen Zero-Bewegung, die er zusammen mit Heinz Mack begründete, entwickelte er zahlreiche Projekte und Veranstaltungen, die auch außerhalb von Galerien und Museen im öffentlichen Raum stattfanden. Seine in dieser Zeit entstandenen Raster-, Rauch-und Feuerbilder, seine Lichträume und kinetischen Lichtballette stehen für eine damals neuartige, visionäre Verbindung von Natur und Wissenschaft und Kunst. Diese offenen künstlerischen Ansätze kulminierten Ende der 1960er Jahre durch seine Übersiedlung in die USA und durch seine Arbeit als MIT-Professor und als Direktor des Center for Advanced Visual Studies (CAVS, Cambridge, Massachusetts) in zahlreichen interdisziplinären Projekten im öffentlichen Raum. Ganz in der Nähe, in Groton (Massachusetts) entwickelte er zusammen mit seiner Frau Elizabeth Goldring seine „Art Farm“. Gemeinsam mit Wissenschaftlern und anderen Künstlern realisierte Piene ab 1968 so genannte Sky Art Events und Sky Art-Konferenzen: Luft-oder helium-gefüllte Skulpturen ließ Otto Piene weltweit über Gebäuden, Stadien, Flüssen, Landschaften in den Himmel steigen –darunter seinen monumentalen Regenbogen für die Abschlussfeier der Olympischen Spiele 1972 in München. Die offenen, jeweils im Kollektiv entwickelten und oft farbenfroh angelegten Arbeiten wurden weltweit zu Zeichen von Hoffnung und Frieden.

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„The Proliferation of the Sun“ Projektion in der Neuen Nationalgalerie

Noch kurz vor seinem Tod hatte Otto Piene gesagt, er genieße es besonders, seine Kunst wieder in Berlin zu zeigen. Hier habe er vor Jahrzehnten eine seiner ersten Einzelausstellungen gehabt. „Es schließt sich ein Kreis“. (Otto Piene)

Die Projektion „The Proliferation of the Sun“ in der Neuen Nationalgalerie ist ein beeindruckendes ca. 15minütiges Spektakel, bei dem die zwischen den Projektionsflächen wandelnden Besucher zu einem Teil des Kunstwerkes werden. Die Projektion besteht aus ca. 1100 Dias mit psychedelischen bunten Motiven , die Otto Piene in den sechziger Jahren geschaffen hat. Dazu hört man sich ständig wiederholende Texte und Anweisungen aus Lautsprechern. Die Ausstellungsbesucher können auf  Sitzelementen oder auf dem Boden lagern. Es werden zum Event pasende Cocktails angeboten. Die Projektion hatte Otto Piene ursprünglich am Ende der ZERO-Zeit zunächst für eine kleine Off-Bühne in New York 1967 geschaffen. Noch im selben Jahr wurde sie in Nürnberg, Köln und Dortmund erneut aufgeführt. Farbig schillernde Kreisformen werden mit handbemalten Dias wie Planeten oder Sonnen in den offenen Ausstellungsraum projiziert. Sie ergeben, wie Piene selbst beschreibt, eine „poetische Raumfahrt“.

Otto Piene. More Sky

von: 17.07.2014 bis: 31.08.2014 in der Neue Nationalgalerie – Öffnungszeiten von 22 Uhr bis 03.00 Uhr. Eintritt kostenlos

Ausstellung in der Deutsche Bank KunstHalle

Unter den Linden 13/15  10117 Berlin  Öffnungszeiten:täglich 10 – 20 Uhr  Eintritt 4 Euro, ermäßigt 3 Euro Mo
Eintritt frei Kinder + Jugendliche bis 18 frei
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„The Proliferation of the Sun“ Projektion in der Neuen Nationalgalerie

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