Unter den Linden

Boulevard mit langer geschichte

Umrahmt von den historischen Gebäuden der Humboldt-Universität, der Staatsoper Unter den Linden, der Neuen Wache, dem Zeughaus, dem Alten Museum am Lustgarten, dem Dom und dem Nikolaiviertel mit dem Ephraim-Palais genießt man am Prachtboulevard Unter den Linden den Charme dieser Stadt. 1997 feierte er seinen 350. Geburtstag. (btm)

Geschichte des Boulevards

Der Boulevard kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. 1573 wurde auf Geheiß des Kurfürsten Johann Georg ein Reitweg angelegt, der das Berliner Stadtschloss mit dem Tiergarten verbinden sollte. Nach dem 30 jährigen Krieg, bei dem das Schloss, der Lustgarten und der Tiergarten zerstört wurden, wurde der einstige Reitweg zu einer Allee nach holländischer Art umgebaut. Die Allee verband wie einst den Tiergarten mit dem Lustgarten. 1647 wurden 1000 Nuss- und 1000 Lindenbäume gepflanzt, wobei 1685 wieder ein Teil der jungen Bäume im Ostteil der Straße einem Festungswall zum Opfer fielen. Nach und nach wurde der Wall, da die neue Stadt immer mehr wuchs, nach Westen verschoben. Ab 1670 überließ der Kurfürst seiner Frau Dorothea das Land außerhalb des Walls. Die Frau des Kurfürsten war sehr geschäftstüchtig und teilte die sandigen Äcker in Parzellen auf und verkaufte sie. Dadurch entstand eine neue Vorstadt, die 1674 den Namen Dorotheenstadt erhielt.

Durch Bebauung und zunehmenden Verkehr erlangte die Allee mehr Bedeutung und man kümmerte sich um die Pflege der Bäume und pflanzte noch weitere holsteinische Linden hinzu. Bald erhielt die Allee auch ihren Namen: Lindenallee. Anfangs war die Lindenallee noch ungepflastert, es dauerte noch einige Jahre bis das geändert wurde. Aus den einfachen Häusern wurden wenig später Prunkbauten, die teilweise heute noch stehen, wie die 1696 durch Friedrich I. gegründete Akademie der Künste. 1700 folgte die Akademie der Wissenschaft, die 1724 in die Breite Straße verlegt wurde. Im Jahre 1706 wurde das Zeughaus gebaut, aber erst 36 Jahre später wurde der Innenausbau fertiggestellt. In ihm wurden 150 000 Gewehre und Kriegstrophäen gelagert. Das Zeughaus und das sogenannte Kommandantenhaus waren der östliche Abschluss und hatte die Nummer „Unter den Linden Nr. 1“.

Nach dem Sieg über Napoleon

Nach 1740 ist anstelle des neuen Schlosses das sogenannte Forum Fridericianum entstanden, der heutige Bebelplatz, mit dem Prinz-Heinrich-Palais, dem ersten Gebäude der Humboldt-Universität. Zum Forum gehörten außerdem das Opernhaus, die Königliche Bibliothek und die Sankt-Hedwigs-Kathedrale. Nach dem Sieg über Napoleon ließ Friedrich Wilhelm III. im 19. Jahrhundert durch Karl Friedrich Schinkel den östlichen Teil der Straße zu einer Triumphstraße ausbauen. Am Übergang des östlichen zum westlichen Teil der Straße wurde ein vom Bildhauer Christian Daniel Rauch geschaffenes Reiterstandbild Friedrichs des Großen errichtet. Im 19.Jahrhundert wurde der westliche Teil zu einer repräsentativen, gutbürgerlichen Wohngegend, im Jahre 1871 zur belebten, großstädtischen Geschäftslage mit vielen Restaurants, Agenturen und Geschäften.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Straße bis auf den Römischen Hof fast komplett zerstört. Anfang der 1950er begann man mit dem Wiederaufbau, 1949-1950 entstand die sowjetische Botschaft. Bis auf das gesprengte Stadtschloss, an dessen Stelle von 1973-1976 der Palast der Republik erbaut wurde, wurden zum Ende der 50iger Jahre die alten historischen Gebäude wieder aufgebaut.

1989 wurde der Palast der Republik wegen Asbestverseuchung geschlossen. Er wurde ab 2006  unter besonderen Bedingungen abgetragen. Die Abrissarbeiten waren Ende 2008 abgeschlossen. Bis zum Baubeginn des Humboldt Forums wurde das Gelände mit einer großen Wiese als Erholungsfläche genutzt. (be/wik)

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