Rixdorf in Berlin

Böhmische Emigranten in Berlin

Altes Haus von 1749 in der Kirchgasse in Rixdorf Altes Haus von 1749 in der Kirchgasse in Rixdorf

Das sogenannte Böhmische Dorf rund um den Richardplatz im Norden Neuköllns wurde 1737 von protestantischen Emigranten aus Böhmen gegründet. Diese mussten damals wegen ihres evangelischen Glaubens ihre zu Österreich gehörende katholische Heimat verlassen.

Denkmal von Friedrich Wilhelm I. in Rixdorf

Friedrich Wilhelm I. gab ihnen die Erlaubnis sich niederzulassen und schenkte ihnen Baumaterial für ihre Häuser. Bis zu 2000 Böhmen kamen so nach Berlin und gründeten bei der Landgemeinde Rixdorf „Böhmisch Rixdorf“ als Kolonie von Kleinbauern und Textilarbeitern. 1874 wurde Böhmisch Rixdorf mit Deutsch-Rixdorf vereinigt. Rixdorf erhielt 1899 Stadtrechte und wurde 1912 in Neukölln umbenannt. Zur Erinnerung an die großzügige Aufnahme der böhmischen Emigranten steht in der Kirchgasse ein Denkmal von Friedrich Wilhelm I. Das Böhmische Dorf ist nicht nur ein herausragendes Beispiel preußischer Einwanderungspolitik im 18. Jahrhundert, es ist als ein idyllisches Kleinod im urbanen Norden Neuköllns auch einen Ausflug wert.

Wohnhaus am Richardplatz

Wohnhaus am Richardplatz

Die Rixdorfer Dorfkirche

Die Rixdorfer Dorfkirche

 Am Richardplatz steht die Rixdorfer Dorfkirche. Seit 1912 trägt die kleine Kirche auch den Namen Bethlehemskirche. Sie stammt aus dem Jahre 1481. Im 16. Jahrhundert wurde sie bei einem Brand bis auf die Außenmauern zerstört. Nach 1737 wurde die Kirche wieder aufgebaut und bis heute durch die Lutheraner benutzt (Evangelisch-böhmisch-lutherische Bethlehemsgemeinde). Der ein- bis zweimal monatlich stattfindende Gottesdienst wird in deutscher Sprache gehalten, verwendet jedoch die alte Liturgie. Die Kirche ist bekannt für ihre gute Akustik und es finden Konzerte in ihr statt. Die Kirchengemeinde ist im sozialen Bereich tätig.

Zu den am besten erhaltenen historischen Gebäuden von Böhmisch-Rixdorf gehört das Haus Kirchgasse 5. Eingeweiht wurde es am 14. November 1753 als eine Schule; der Unterricht lief hier bis 1909. Am Giebel sieht man deutlich einen Kelch, der verdeutlichen soll, dass sich zwischen 1754 und 1761 hier der erste Gebetssaal der Brüdergemeine befand. In zwei Räumen befindet sich hier heute ein kleines Museum. Es ist zugleich das älteste erhaltene Schulgebäude des Bezirks Neukölln.

Die historische Schmiede, die sich mitten auf dem Richardplatz befindet, wurde zuerst 1624 erwähnt. Sie gehörte ursprünglich einem Schmied aus Berlin, der einmal in der Woche hierher fuhr. 1797 wurde hier ein Schmied ansässig, dessen Nachkommen die Schmiede über 150 Jahre führten. Sie ist bis heute in Betrieb, vorwiegend jedoch im künstlerischen und Restaurierungsbereich. Seit 1991 dient das ehemalige Wohnhaus der Rixdorfer Schmiedwerkstatt als kommunaler Treffpunkt für Frauen in Neukölln und gehört zum Geschäftsbereich der Gleichstellungsbeauftragten. Die Schmiede nimmt jährlich am traditionellen stimmungsvollen Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkt teil.

Gedenktafel in Rixdorf

Gedenktafel in Rixdorf

Wer sich über die Geschichte Rixdorfs informieren möchte, hat dazu in der Kirchgasse Gelegenheit. Das „Museum im Böhmischen Dorf“ ist im ehemaligen Schulhaus der Böhmen in der Kirchgasse 5 untergebracht. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde 1753-54 errichtet, diente zunächst als Betsaal und Schulhaus und ab 1909 als Wohngebäude. 1980-82 wurde es durch das Zukunfts-Investitions-Programm (ZIP) des Senats saniert. Eine Zweizimmerwohnung im Erdgeschoss des Gebäudes beherbergt seit 2005 das kleine Museum.

Geschichte Rixdorfs

Es werden Geschichte, Entstehung und Siedlungsstruktur des Böhmischen Dorfes sowie Traditionen, Glauben, Handwerkskunst, Pädagogik, Leben und Arbeiten seiner Bewohner in Vergangenheit und Gegenwart dargestellt. Betreiber des Museums ist der als gemeinnützig anerkannte Verein „Museum im Böhmischen Dorf e.V.“, dessen Mitglieder die Dauerasstellung und die Sonderausstellungen in ehrenamtlicher Arbeit gestalten. Die Exponate stammen größtenteils von Mitgliedern der Herrnhuter Brüdergemeine und aus der Brüdergemeine selbst. Zu den Exponaten zählen u. a. die Kirchentracht der Herrnhuter, zweisprachig (tschechisch und deutsch) verfasste Gesangbücher und Bibeln, historische Herrnhuter Sterne, Gegenstände, die die Missionare der Herrnhuter aus Missionsgebieten wie Südafrika und Surinam mitbrachten sowie von den Lehrern selbstgefertigte Versuchsgeräte für den Physikunterricht aus der alten Brüdergemeinschule. (Öffnungszeiten:  Donnerstags, 14 bis 17 Uhr sowie jeden 1. und 3. Sonntag im Monat von 12 bis 14 Uhr.)

Weitere Sehenswürdigkeiten: Comeniusgarten, Böhmischer Gottesacker

Anfahrt nach Rixdorf: Mit der U-Bahn U7 bis Karl-Marx-Straße, in Fahrtrichtung aussteigen und dann nach einem Stück in die Herrnhuter Straße bis zur Richardstraße. Richardstraße rechts bis zum Richardplatz. Schon vorher geht es auf der linken Seite in die Kirchgasse.

Links: Evangelische Brüdergemeine BerlinRixdorfer Schmiede, Museum im Böhmischen Dorf;


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