Berlin mit dem Rad

In Berlin ist das Zweirad eine sehr gute Alternative zum Auto

Mit dem Rad unterwegs in Berlin. Hier im Tiergarten Mit dem Rad unterwegs in Berlin. Hier im Tiergarten

(btm/be) In Berlin ist das Zweirad eine sehr gute Alternative zum Auto und den öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch Fahrradkuriere und Velotaxis sind aus dem Straßenbild nicht mehr wegzudenken. Der Anteil des Radverkehrs stieg in den vergangenen Jahren weiter an und liegt jetzt bei 15 Prozent – täglich sind rund 500.000 Fahrradfahrer in Berlin unterwegs. Dies liegt auch an der zunehmenden Attraktivität des Berliner Fahrradwegenetzes. Auch für Berlinbesucher wird es immer reizvoller, bei ihrer Sightseeing-Tour kräftig in die Pedale zu treten. Größere Entfernungen wie etwa zwischen Brandenburger Tor und Rotem Rathaus lassen sich auf einem bequemen City-Bike spielend und ohne pflastermüde Füße überwinden. Auch Spritztouren durch den Tiergarten, Berlins grüne Lunge, oder zu einem der zahlreichen Seen im Stadtgebiet haben ihren Reiz.

Zahlreiche Rad-Verleihstationen stehen Fahrradfreunden über die Stadt verteilt zur Verfügung, die meisten in Mitte (z.B. Bahnhof Friedrichstraße), Kreuzberg, Friedrichshain oder in der Nähe des Bahnhofs Zoologischer Garten. Die Leihgebühr beträgt rund zehn Euro pro Tag – je nachdem, ob man für seine Erkundungstouren „per pedales“ ein einfaches Drei-Gang-Rad oder ein sportliches Mountainbike besteigen will. Wer nicht selbst strampeln mag, muss trotzdem nicht aufs umweltfreundliche Fahrrad verzichten, er nimmt einfach ein Velotaxi: 40 Velotaxen fahren im Berliner Betrieb von März bis Oktober täglich auf verschiedenen Routen, aber auch – wie andere Taxen – individuelle Strecken.

Touristengruppe mit Mietfahrrädern in Berlin

Touristengruppe mit Mietfahrrädern in Berlin

Radwege und Fahrradrouten in Berlin

Rund 650 Kilometer Radwege stehen Radlern laut Berliner Senatsverwaltung für Verkehr und Stadtentwicklung mittlerweile zur Verfügung. Zudem wird derzeit eifrig am Ausbau der so genannten Fahrradrouten gearbeitet: Diese verbinden die wichtigsten Orte der Stadt sicher und attraktiv miteinander: Ausgehend vom Schlossplatz im Zentrum werden zwölf Fahrradrouten sternförmig in die Außenbezirke führen, acht weitere Strecken sollen diese Routen miteinander verbinden. Hinzu kommen 7 Radfernwege wie zum Beispiel der beliebte Radweg Berlin-Usedom. 20 dieser insgesamt 27 Fahrradrouten sind bereits fertiggestellt worden, darunter die 23 Kilometer lange sogenannte Südspange von Dahlem nach Biesdorf und die Hellersdorf-Route von Hoppegarten bis zum Schlossplatz. So entsteht ein weitläufiges, mit Kilometerangaben gekennzeichnetes Streckennetz, das Radler auf Nebenstraßen durch die Stadt führt. So kann man zum Beispiel vom Roten Rathaus über Alexanderplatz und Karl-Marx-Allee mit ihren architektonisch interessanten Stalin-Bauten bis nach Lichtenberg und Marzahn radeln oder der „Studentenroute“ von der Freien Universität im idyllischen Dahlem bis nach Kreuzberg folgen. Der bunte Kreuzberger Kiez rings um Bergmannstraße, Chamissoplatz und Südstern mit seinen vielen kleinen Läden, Kneipen und Cafés lässt sich ebenfalls wunderbar mit dem Rad erkunden.

Zudem wurden Teilstücke verschiedener Fernradwege, welche durch die deutsche Hauptstadt verlaufen, fertiggestellt. Das betrifft unter anderem die Route zur Ferieninsel Usedom. Die Baumaßnahmen auf dem Berliner Abschnitt sind abgeschlossen. Gleiches gilt für den Europaradweg R1. Auf einer Strecke von 3.500 Kilometern wird er Calais in Frankreich mit dem russischen St. Petersburg verbinden. Bereits fertiggestellt ist der Fernradweg nach Kopenhagen. Ab Berlin können sich Sportbegeisterte auf eine 630 Kilometer lange Tour durch Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern bis hin zur dänischen Hauptstadt begeben.

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub Berlin (ADFC Berlin) hat einen speziellen Stadtplan für die Berliner Innenstadt herausgegeben. Hilfreich ist der „ADFC-Fahrradstadtplan Berlin“ vor allem durch die Kennzeichnung der Straßen und Wege hinsichtlich ihrer Fahrradfreundlichkeit. Daneben finden sich auch Tourenvorschläge für touristisch interessierte Berlin-Besucher. www.adfc-berlin.de

Berlin hat ein umfangreiches Radwegenetz

Berlin hat ein umfangreiches Radwegenetz

Geführte Radtouren auf Deutsch und Englisch

Ein spannendes Radler-Handbuch für alle, die sich auf Spurensuche nach der jüngeren Vergangenheit der Hauptstadt begeben wollen, ist der „Berliner Mauer-Radweg“ von Michael Cramer (erschienen im Esterbauer Verlag).

„Wo stand eigentlich die Mauer?“ ist heute das Thema, das Berlin-Besucher am meisten interessiert. Gut 20 Jahre nach dem Fall des von der DDR-Führung gern als „antifaschistischer Schutzwall“ bezeichneten grauen Monstrums aus Beton, Stein und Stacheldraht, das so viel Leid über Ost- wie West-Berliner brachte und einst zum Pflichtprogramm für jeden Berlin-Touristen gehörte, sind dessen letzte Überreste weitgehend verschwunden. Das Interesse hingegen, sich die alten Grenzen West-Berlins noch einmal zu vergegenwärtigen, ist – vielleicht gerade deshalb – groß. Cramers Buch stellt 19 Touren entlang des ehemaligen Mauerstreifens vor: kurze Wege für Eilige sind darunter wie die Strecke vom Potsdamer Platz über Kreuzberg und Oberbaumbrücke zur Warschauer Straße (7 Kilometer), aber auch lange Strecken beispielsweise von Staaken nach Hennigsdorf (ca. 20 Kilometer). Das Büchlein liefert aufschlussreiche Beschreibungen der interessantesten Orte und Gebäude entlang der insgesamt 160 Kilometer langen Strecke – dabei findet die durch den gleichnamigen Roman und Kinofilm von Thomas Brussig und Leander Haußmann berühmt gewordene Sonnenallee im Bezirk Neukölln besondere Beachtung.

Mittlerweile gibt es in Berlin auch verschiedene Veranstalter für geführte Radtouren, die unter anderem auf Englisch, Spanisch und Niederländisch angeboten werden. Sie erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. „Wir haben so viele Dinge neu entdeckt, die wir vom Bus aus gar nicht sehen konnten…“, lautet der begeisterte Kommentar eines Teilnehmers. Tatsächlich dringt kein großer Sightseeing-Bus bis in das alte jüdische Viertel in der Spandauer Vorstadt zwischen Oranienburger Tor und Alexanderplatz vor. Gerade in den kleinen Seitenstraßen gibt es Vieles zu entdecken: Ein alter jüdischer Friedhof hier, ein historisches Gebäude dort, und auf der anderen Straßenseite eine der zahlreichen kleinen Galerien. Und: Beim Radeln bestimmt man das Tempo selbst, Anhalten und Schauen sind jederzeit möglich.

Zwar stehen beim ADFC Berlin auch Mauer-Erkundungen auf dem Programm. Der Verein hat sich jedoch – neben der Interessenvertretung und allgemeinen Beratung für Radler – vor allem auf Touren spezialisiert, die sich abseits der bekannten Touristenpfade und auch über Berlins Stadtgrenzen hinaus bewegen. So kann man zum Beispiel von Biesdorf-Süd nach Karlshorst radeln oder sich auf Entdeckungstour durch den alten Stadtteil Friedrichshain begeben. Gemeinsam mit der S-Bahn bringt der Verein jährlich die Broschüre „Rad & Touren“ heraus. Sie ist unter anderem beim ADFC oder der S-Bahn erhältlich und kann auf der Internetseite des ADFC kostenfrei heruntergeladen werden. Mehrere hundert geführte Radtouren – quer durch Berlin, nach Brandenburg und noch viel weiter – werden darin angeboten. Ausgangspunkt sind jeweils S-Bahnhöfe im Berliner Stadtgebiet. Fahrräder können in den öffentlichen Verkehrsmitteln mitgenommen werden, wenn man für das Fahrrad eine Fahrkarte zum Ermäßigungstarif gelöst hat. Genaue Termine, Beschreibungen der Touren, sowie Bezugsmöglichkeiten des Fahrradstadtplans finden sich auf der ADFC-Homepage .

Die ganz besondere Atmosphäre, die Berlin bei Nacht bietet, kann man auf einer Radtour mit Berlin on Bike erleben. Das „Nightseeing“ führt durch eine Stadt, die nie schläft, vorbei an illuminierten Gebäuden, stillen Gewässern und quirligen Szenetreffs. Die Tour startet von Mai bis September mehrmals wöchentlich um 20 Uhr in der Kulturbrauerei / Prenzlauer Berg.

An englischsprachige Gäste richten sich die Fat Tire Bike Tours Berlin. Täglich wird hier eine vier- bis fünfstündige Ausfahrt zu den touristischen Highlights angeboten, unter anderem führt die Strecke an der Topographie des Terrors vorbei zum Checkpoint Charlie, dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas sowie zum Brandenburger Tor und dem Reichstag. Ein besonderes Mauer-Sightseeing darf bei Fat Tire Bike Tours ebenso wenig fehlen – die „Berlin Wall & Cold War Bike Tour“ findet von Mai bis September drei Mal wöchentlich statt: Währenddessen gibt’s spezielle Informationen zum Leben in der geteilten Stadt, zur Luftbrücke und zum Mauerfall. Das Besondere an den Ausfahrten sind die Fahrräder. Die Teilnehmer entdecken die Stadt vom breiten, bequemen Sattel eines City Cruiser Bikes, das mit breiten Reifen, weit ausgeformten Lenkern, komfortabler Drei-Gang-Schaltung und verlässlichen V-Brakes ein hohes Komfort-Niveau bietet.

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