Berlin im Zeichen des Fahrrades

Foto: Velo Berlin 2015 Foto: Velo Berlin

(be) Die Velo begeht in diesem Jahr ein kleines Jubiläum. Sie findet nämlich bereits zum fünften Mal in den Messehallen am Funkturm statt. Der Trend zum Fahrrad als umweltfreundliches und vor allem in den zugestauten Großstädten schnelles Verkehrsmittel ist ungebrochen. Und die nach wie vor belastend hohen Benzinpreise sind ein zusätzlicher Ansporn, sich nach alternativen Fortbewegungsmöglichkeiten auszurichten. Darüber hinaus ist Radfahren natürlich unbestritten gesund.

Über Neuigkeiten auf dem riesigen Fahrradmarkt kann man sich an den beiden Messetagen in Berlin in sieben Messehallen bestens informieren. Fachvorträge und Seminare zu den unterschiedlichsten Themen machen die Veranstaltung noch attraktiver. Außerdem kann man auf mehreren Parcours alles nach Herzenslust ausprobieren. Ein Begleitprogramm mit spannendem Lastenradrennen und vielen anderen Angeboten rundet das Programm der Velo 2015 ab.

E-Bikes – der Trend bleibt stark

E-Bikes sind in Deutschland auf einem absoluten Wachstumskurs. Nach Angaben des Zweirad Industrie Verbandes (ZIV) fahren auf deutschen Straßen bereits 2,1 Millionen E-Bikes. Waren es am Anfang eher ältere Menschen, die sich für diese Räder interessierten, wurde der Markt durch Mountainbikes mit zusätzlichem elektrischem Antrieb auch für jüngere Menschen interessant. Außerdem verstärkt sich der Trend, das Rad nicht nur in der Freizeit, sondern auch auf dem Weg zur Arbeit einzusetzen.

CONTOURA Caldera E Semi-Trapez

CONTOURA Caldera E Semi-Trapez (Pressefoto)

Entwicklungstechnisch scheint bei den E-Bikes noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht zu sein. Es gibt in diesem Jahr zahlreiche Produktneuheiten in diesem Bereich. Shimano entwickelt beispielsweise einen neuen Mittelmotor mit Automatikschaltung (Shimano Steps 2016). Und auch die eingebauten Akkus der E-Bikes können durchaus noch an Leistung zulegen. Bei Bosch hofft man, die Energiedichte der Akkus jährlich um 5-10 Prozent steigern zu können. 300- bis 400-Wattstunden-Akkus wurden von Bosch schon vorgestellt, vielleicht kommt auch mal der 500er. Die Reichweite eines E-Bikes spielt für den Käufer eben eine große Rolle. Zum Laden der E-Bike-Akkus gibt es eine innovative Neuentwicklung eines 14jährigen Schülers aus Neubiberg. Er konstruierte im Rahmen von „Jugend forscht“ eine zusammenrollbare Solar-Ladestation. Bei voller Sonneneinstrahlung soll ein Bike-Akku so innerhalb von drei Stunden wieder geladen sein. Erw urde mit einem Preis ausgezeichnet.

Weitere Infos: Mobile Ladestation für E-Bikes

Ein leuchtender Radweg

Im November letzten Jahres eröffnete im niederländischen Eindhoven der aus tausenden grün-fluoreszierenden Steinen bestehende Van Gogh-Radweg. Inspiriert von Vincent van Goghs Gemälde „Sternennacht“ (Starry Night) hat der Designer Daan Roosegard zusammen mit dem Bauunternehmen Heijmans ein weg-gewordenes Licht-Gemälde geschaffen. Bei Tageslicht laden sich die Steine auf, so dass sie bei Nacht ausreichend Licht spenden um den Radfahrern bei Dunkelheit den Weg leiten zu können. Ein kulturelles Highlight, dass Lust macht, sich aufs Rad zu schwingen. Das Konzept der sogenannten „Smart Cycling Highways“, der ersten interaktiven, solarbetriebenen Fahrradwege, wird in Deutschland erstmalig auf der VELOBerlin vorgestellt. (Halle 12)

Globetrotter Sven Marx auf der Velo

Als Pate des Projektes „Inklusion braucht Aktion“ ist der Berliner Globetrotter Sven Marx auf der Fahrradmesse Velo vertreten. In einem kurzen Interview erklärt uns Sven, worum es dabei genau geht.

Mit dem Rad die Urlaubsregion erkunden

Diese Möglichkeit geben immer mehr Hoteliers und auch Gastwirte ihren fahrradaffinen Gästen und stellen gute Fahrräder zum Verleih zur Verfügung. Auf der Sonderfläche Reisen per Pedale in Halle 16 sammeln sich neben Radreise-Hotels, Tourismusregionen, regionale und überregionale Anbieter von Radreisen sowie Radreisende mit ihren besonderen Geschichten. Je nach Reiseart finden sich hier hilfreiche Tipps für Ausrüstung, Gepäcklösungen, Navigation, Routen- und Tourenplanung (auch BIO), Übernachtung & Verpflegung. Fahrräder für die kleinen Touren & das Genussradeln sowie für ferne Reisen in die weite Welt hinein finden sich auf der großen Fahrrad-Ausstellung.  Mit dabei die Marken Velotraum, Patria, Tout Terrain, Norwid, Koga uvm.

Historische Fahrräder auf der VELO

Historische Fahrräder auf der Velo Berlin 2015

Historische Fahrräder auf der Velo Berlin 2015

Wir finden es einfach großartig, dass es Menschen gibt, die eine Vielzahl an historischen Fahrrädern bewahren und die Öffentlichkeit dann auch noch hin und wieder mit einer kleinen Präsentation erfreuen. Und auch auf der diesjährigen Velo gab es wieder an zwei Ständen historische Räder zu sehen. Einmal vom Verein Historische Fahrräder e.V. und zum anderen von der „Privatsammlung historischer Fahrräder“ initiiert von Clemens Eichberg. Eichberg ist uns schon bei den letzten Classic Days auf dem Kurfürstendamm als Sammler von VW-Käfern aufgefrallen. Das Miele auch Fahrräder gebaut hat, wussten wir zum Beispiel überhaupt noch nicht. Liebevoll zusammengetragen ist auch diese tolle Fahrradsammlung, die man erst einmal nur exklusiv auf der Velo sehen konnte. Für die teure Standmiete fand sich zum Glück ein Sponsor. Wir können beiden Ausstellern der historischen Räder nur dankbar sein für eine superschöne Präsentation.

Thema Witterung

Wer hat sich nicht schon mal darüber geärgert, mit dem Rad in einen heftigen Platzregen geraten zu sein? Ok, Radler sind da bekanntermaßen nicht so empfindlich. Gute Kleidung hilft bei schlechtem Wetter viel, meistens wird man aber selbst mit atmungsaktiver Kleidung eben durchs Schwitzen von innen nass. Abhilfe könnten hier vielleicht faltbare und leicht zu montierende Plastik-Regenhauben bieten. Sie sehen sehr merkwürdig aus und wie praktikabel ihr Einsatz ist, muss jeder für sich entscheiden. Einerseits gibt es hier die seitlich völlig offene Variante „Dryve“ von der Firma Hartje (Halle 12_501) und zum anderen ein rundum ziemlich geschlossenes Regendach von Roofbike. Die Hersteller betonen, dass man mit den Hauben auch bei stärkerem Wind sicher fahren kann.

Dryve ist ein Wetterschutz für tägliche Radfahrten – sei es der Businessmann, die Studentin auf dem Weg zur Universität oder der gemütliche Freizeitradfahrer auf seiner Wochenendtour. Gleichermassen geeignet für Pedelecs und Citybikes kann dryve durch die intelligente Installation in kürzester Zeit mit einer Twist-Funktion auf- und abgebaut werden. Die Inspiration von Wind- und Kitesurfen hat zur Folge, dass dryve lediglich 1‘050 Gramm wiegt. Die Hauptbestandteile des Wetterschutzes sind Aqua Ripstop, Fiberglasgestänge, die durchsichtige PVC Folie und eine unzerbrechliche, wasserabstossende Polycarbonat Scheibe für eine klare Sicht. Der Regen- und Windschutz kann mit wenigen Handgriffen zum Kreis zusammengefaltet und in der dazugehörenden Tasche am Rad verstaut werden. Auch an die Sicherheit wurde natürlich gedacht. Radfahrer haben keine Einschränkung des Blickfeldes. Die Grösse und Farbgebung macht sie im Strassenverkehr besser erkennbar.

Wir haben das Produkt auf der Messe auch im Regen Probe gefahren und waren angenehm überrascht. Geschwindigkeit und Bauweise sorgen dafür, dass man tatsächlich vor dem Regen geschützt ist. Bei heftigstem Platzregen konnten wir es natürlich nicht ausprobieren. Bei höherer Geschwindigkeit in einer Unterführung mit Wind von vorne verbog sich der Regenschutz schon mehr und kam dem Kopf relativ nahe.

2,9 kg – Der „Schwarze Panther“

Sportlich, elegant, technisch perfekt ausgestattet – das trifft auf viele Räder zu, die an diesem Wochenende auf der VELOBerlin zu sehen sind. Einzigartig darunter ist der „Schwarze Panther“! Ein Einzelstück, gefertigt in der Bike-Schmiede Ango-Bikes, der Rahmen aus amerikanischem Nussbaum – ein wahrer Hingucker, ästhetisch und handwerklich ein Meisterstück! Der von Alois Arnhofer patentierte Hohlrohrrahmen wiegt gerade mal 2,9 kg. (Halle15_604)

Mehr über seine Holzfahrräder erzählt Alois Arnhofer selbst in unserem Video:

Mehr Infos

Wirklich unplattbar!

Wer auf Berliner Straßen unterwegs ist, der kann ein Lied davon singen: Platte Reifen! Und auch bei mir kam einmal der Tag, an dem ich nach dem Weg zur Arbeit vor der Heimfahrt den Vorder- und Hinterreifen flicken durfte! Glassplitter und Metallspitter hatten für „Luftarmut“ in meinen Reifen gesorgt. Ich war sauer und rüstete sofort um. „Schwalbe Marathon“ hieß die Lösung, natürlich teurer als „normale“ Reifen, ich habe aber bisher keinen Cent dafür bereut! Seitdem ist Ruhe!

Procore-Schwalbe

Procore von Schwalbe

Das Nachfolgemodell meines Reifens heißt „Marathon Plus“ und ist weltweit der einzige Reifen, der sich unplattbar nennen darf. Das liegt an seinem einzigartigen, patentgeschützten Pannenschutzgürtel – fünf Millimeter stark und hergestellt aus hochelastischem Spezialkautschuk. Selbst Heftzwecken können ihn nicht durchstechen! Aber der neue Marathon Plus ist nicht nur unplattbar. Er rollt auch so leicht wie noch nie. Und er hält durch seine Anti-Aging-Seitenwand sagenhaft lange. Er ist dabei auch zugelassen für schnelle E-Bikes.

Für Mountainbike-Profis ging Schwalbe noch einen Schritt weiter und entwickelte das Doppelkammer-Schlauchsystem „PROCORE“. PROCORE ist eine Ableitung von Progressive Core. Der „Kern“ des Schlauches ist mit einem hohen Druck von ca. 4-6 bar befüllt und federt progressiv auch ganz harte Schläge ab. Dadurch kann man den äußeren Reifen mit extrem geringem Luftdruck fahren, was zu einer außerordentlich besseren Reifenperformance führen soll. „Bisher konnte man es kaum riskieren, so Schwalbe, mit weniger als 1,5 Bar zu fahren, weil dann das Risiko von Snake Bites einfach zu groß wird“. Procore hat natürlich seinen Preis und auch sein Gewicht. (Halle 17_508)

Im Worldcup hat sich das Doppelkammersystem nach Angaben von Schwalbe bereits bewährt. Nico Lau hat seinen ersten Enduro-Weltcup darauf gewonnen. Auf dem extremen Downhill-Kurs in Fort William, Schottland, waren Emmeline Ragot (1. Platz) und Sam Hill (2. Platz) darauf erfolgreich. Wird sich das Doppelkammersystem von Schwalbe durchsetzen? Eine Besprechung mit Test gibt es hier

Nicht für die Strasse: eWheels

E-Wheels sind mit einem Elektromotor ausgestattete  Einräder, die man nur auf Flächen fahren darf, auf denen nicht die Strassenverkehrsordnung gilt. Sie bringen jede Menge Spass, verlangen etwas Geschicklichkeit beim Fahren. Es gibt auch etwas leichter zu fahrende Wheels mit Doppelrädern. Mehr infos unter ewheels.org

Wer keine Zeit hatte, die Velo Berlin zu besuchen, hier unser Video mit weiteren Impressionen von der Messe:

Übrigens: Wir konnten nur deshalb nicht über die gleichzeitig am Wochenende in Berlin stattfindende „Fahrradschau“ berichten, weil uns als kleines Team leider die Kapazitäten dazu fehlen.

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