Elisabeth Rank „Bist du noch wach?“

Ein beeindruckendes Werk

Elisabeth Rank, Bist du noch wach? Elisabeth Rank, Bist du noch wach?

(be) Als mich vor einigen Wochen der Katalog mit den Frühjahrs-Neuerscheinungen des Berlin Verlages erreichte, überzeugte mich gleich das Buch von Elisabeth Rank. Wie Sie sicherlich schon bemerkt haben, interessieren wir uns bei Berlin-av themenbedingt in erster Linie für Bücher von Berliner AutorInnen und somit weckte die Beschreibung ihres jetzt erscheinenden zweiten Romans „Bist du noch wach?“ ganz besonders mein Interesse. Über die Suchmaschine meines Vertrauens landete ich bei näherer Recherche auf einem der Internetauftritte der Berliner Autorin. Dort steht als Überschrift „Die Sache ist ja die, das es so viele Sachen sind“. Mein Interesse war vollends entfacht. Der literarische Blog unter der Adresse mevme.com bietet in der Tat sehr lesenswerte Beiträge mit Fotos, die sich drastisch von dem Allerweltsgeposte so manch anderer Blogs unterscheiden. Bei Elisabeth Rank möchte man nicht mehr aufhören zu lesen. Man begegnet dort wunderbaren Sätzen, die wahrhaftig “zum Ausschneiden schön“ sind (Celina Ponz von Zeitjung.de)

Als dann endlich per Post mein Vorab-Exemplar des neuen Buches kam, war die Vorfreude groß. Worum geht es in dem Roman?

Elisabeth Rank - Bist du noch wach?

Elisabeth Rank – Bist du noch wach?

Die Protagonistin Rea, knapp dreißig Jahre alt, hat einen Freund, doch eigentlich stimmt es mit ihm überhaupt nicht mehr. Die Trennung fällt schwer. Trost und Halt gibt in dieser Situation Konrad, mit dem Rea schon seit längerer Zeit zusammenwohnt – sie sind allerbeste Freunde. Sie verstehen sich so gut, dass sie eigentlich das ideale Paar abgeben würden. Konrad scheint seinen Weg durchs Leben aber bereits anders geplant zu haben: und der führt weg von Rea. Außerdem hat er plötzlich eine Freundin; die erste in all den Jahren. Rea erträgt die neuen Schritte in der Wohnung nicht. Konrad und sie entfernen sich immer mehr voneinander. Und mit wem soll man darüber reden, dass es niemanden mehr gibt, mit dem man über alles reden kann? Als weitere Belastung in Reas Leben erweist sich auch noch die schwere Erkrankung ihres Vaters und das eher komplizierte Verhältnis zu Reas Mutter. Rea flüchtet sich erst in eine halbherzige Beziehung und wenig später in die Sorglosigkeit eines Sommerurlaubs — nur um dort die Verfahrenheit ihrer Lage umso klarer zu spüren.

Elisabeth Ranks poetischer Stil, dies alles so feinsinnig zu beschreiben, zog mich sofort in das Buch hinein. Ich finde eigentlich überlange Sätze problematisch, es gibt Autoren, die damit alles kompliziert und anstrengend machen. Bei Elisabeth Rank gibt es häufig sehr lange Sätze, die schon mal locker über 30 Zeilen gehen. Und was machen diese Sätze? Sie saugen einen in sich hinein, man wird gierig, liest schneller und will immer mehr. Rank hat eine besondere Gabe, Empfindungen, Zustände und Dinge zu beschreiben. Sie hat mit „Bist du noch wach?“ ein wunderbares großes Gefühlsbuch im positivsten Sinn geschaffen, das glücklich macht. Wie oft denke ich beim Lesen, wie kann man Dinge so beschreiben, wie sie es schafft? Wo holt sie das her? Manches hat man selber ähnlich erlebt, aber es fehlen die beeindruckenden Worte, es so wie sie aufzuschreiben. Eine Zitat:

„Zwischen seinen Pupillen und meinen Pupillen tanzen ein paar Menschen, sie trinken und küssen einander, sie laufen und suchen und lassen Kleingeld fallen, sie schieben sich Schuld in die Schuhe und schmeißen am nächsten Morgen die Strumpfhosen in den Badmülleimer, zwischen seinen und meinen Pupillen passiert nichts, was sonst nicht auch passieren würde, manchmal hat die Abwesenheit von Dingen einen Namen, aber nicht immer, manchmal ist etwas einfach nur weg, und was zurückbleibt, lässt nicht unbedingt Rückschlüsse auf das zu, was da einmal war.“

Wow! Sätze wie dieser machen Elisabeth Ranks Roman so beeindruckend, gefühlvoll und unbedingt lesenswert! Ihr neuer Roman ist ein wunderbares Werk über Freundschaft und über unweigerlich immer wieder anstehende Veränderungen in unserem Leben.

„Schreiben räumt mich auf“, schreibt Elisabeth Rank in ihrem Blog.

Ich werde dieses Buch so bald wie möglich nochmals lesen, denn beim ersten Mal war ich viel zu schnell.

Elisabeth Rank wurde 1984 in Berlin geboren. Hier hat sie auch Publizistik, Kommunikationswissenschaft und Europäische Ethnologie studiert. Seit zehn Jahren schreibt sie als freie Autorin für verschiedene Magazine und Publikationen. Tagsüber ist sie außerdem als Kreative in Sachen Digitale Markenführung beschäftigt. Ihr erster Roman „Und im Zweifel für dich selbst“ erschien 2010.

Bist du noch wach?
Elisabeth Rank
17,99 € [D] | 18,50 € [A] – Roman – 240 Seiten Berlin Verlag
ISBN-13: 9783827010957

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