„Buschgirl“

Roman von Rose-Anne Clermont

„Erzählen Sie mir doch von Ihrem Leben im Busch“ – so sah sich Rose-Anne Clermont, US-Amerikanerin mit haitianischen Eltern, von einem angeheiterten deutschen Herrn traktiert. Damals wusste sie nicht, sollte sie lachen oder weinen, und auch heute noch rufen ihre Erfahrungen als Schwarze in Deutschland eher gemischte Gefühle hervor. »Buschgirl«, das Buch über ihre oft merkwürdigen, manchmal bizarren und häufig erheiternden Erlebnisse in Berlin, im Schwarzwald und anderswo, versammelt komische wie nachdenklich stimmende Geschichten aus dem Leben der Autorin als Studentin, Sprachlehrerin und Journalistin. Mal augenzwinkernd, mal betroffen, mal verwundert, mal verärgert beschreibt sie, wie es immer wieder zu Missverständnissen und Besserwissereien kommt.

Bertelsmann und Rose-Anne Clermont haben das Buch dieser Tage in Berlin vorgestellt. Bei Berlin-av können sie ziemlich exklusiv einen halbstündigen Mitschnitt der Lesung hören.

Unsere Meinung:
„Buschgirl – Wie ich unter die Deutschen geriet“ ist eine wundervoll geschilderte Lebensgeschichte von Rose-Anne Clermont. Sie ist die Tochter nach New York eingewanderter Haitianer und wurde auch dort geboren. An der Columbia University studierte sie Journalismus. Sie schrieb für „The Internatiopnal Herald Tribune“, „Spiegel Online“ und „Die Zeit“ über Integration, Familie und Beruf.

„Buschgirl – Wie ich unter die Deutschen geriet“ ist eine wundervoll geschilderte Lebensgeschichte von Rose-Anne Clermont.

Rose-Anne Clermont

Rose-Anne Clermont beschreibt ihr bisheriges Leben erfrischend und lebendig. Die Erlebnisse mit ihrem ersten deutschen Freund Jens, der als Austauschschüler nach Maryland kam und mit Rose-Anne an der Highschool studierte, waren in den USA sehr schön. Leider musste Rose-Anne genau das Gegenteil erfahren, als sie nach Deutschland zu Jens kam. Er bestand darauf, dass wenn man in Deutschland sei, man auch von Anfang an Deutsch reden sollte. Sie musste sich Beleidigungen von Jens gefallen lassen, wie zum Beispiel: „Hör dich doch selbst mal an! Wie willst du Interviews auf Deutsch machen, wenn du wie eine Schwachsinnige klingst?“ Zum Glück lernte sie bald einen sehr netten jungen Mann namens Georg kennen, der sie mit allen Ecken und Kanten liebte.

Rose-Anne Clermont wurde gern im Aussehen mit Michelle Obama oder Condoleezza Rice verglichen. In Berlin-Kreuzberg musste sie sich auch Fragen gefallen lassen: wie es denn im Busch so sei? Und ein türkischer Junge betitelte sie als „Negerfrau“. Auch ein mondäner Zahnarzt am Kurfürstendamm konnte sich mit dummen Fragen in puncto Rose-Annes Hautfarbe bei extrem Temperaturen nicht zurückhalten. („Sie sind bestimmt vierzig, fünfundvierzig Grad gewöhnt, was?“). Derartige Vorfälle blieben zum Glück Ausnahmen und Rose-Anne Clermont ließ sich nicht erschüttern und verkraftete diese Erlebnisse mit Humor.

Rose-Anne Clermont heiratete Georg und lebt glücklich mit ihm und ihren gemeinsamen Kindern in Berlin.

Fazit: Ein lesenswertes Buch, dass man sich nicht entgehen lassen sollte. Es beschreibt gut, wie uns „Ausländer“ sehen und was sie sich manchmal so anhören müssen. Man sollte immer daran denken, dass man bei Auslandsbesuchen selbst der „Ausländer“ ist.

Kurzinterview mit der Autorin und Lesungsmitschnitt der Buchpremiere:


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